Geistliches Wort

Liebe Gemeinde,
als der Dichter Matthias Claudius in dem damals noch nicht zu Hamburg gehörenden Wandsbek mit seinen Kindern durch die angrenzenden Felder streifte, inspirierte ihn das zu einem der schönsten Erntelieder: Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand. (Evangelisches Gesangbuch unter der Nummer 508)
Wandsbek ist heute ein Stadtteil von Hamburg, in dem es keine Felder mehr gibt. Wir Wellingsbüttler müssen etliche Kilometer unterwegs sein, wenn wir wachsendes Getreide sehen wollen.
Auch als Städter wissen wir, dass wir nichts allein erschaffen können. Das Gelingen liegt nicht in unserer Hand. Welch eine Entlastung, denn es wird nur gut, wenn Gott seinen Segen dazu gibt. Wir sind auf Gottes Hilfe angewiesen und dafür danken wir ihm, darum lautet der Refrain folgerichtig: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm dankt und hofft auf ihn.
Sicher, es gibt sie auch, die schlechten Gaben: Schmerz, Krankheit und Tod, Leid, Krieg und Terror… Dennoch sollten wir uns anstecken lassen vom Wandsbeker Boten.
Gegen alle Zweifel gibt es genug Gründe Gott täglich zu danken.
Matthias Claudius verstand die Kunst, Gott zu danken. Er hätte Anlass genug gehabt, Gott anzuklagen angesichts der Kinder, die ihm früh starben, der angegriffenen Gesundheit und der ständigen Sorgen ums Geld. Aber er verstand es, sich am Leben zu freuen, weil er aus einem tiefen Vertrauen auf Gott lebte.
Im Herbst ernten wir, was wir gesät haben. Möge Gott seinen Segen dazu gegeben haben, der mehr ist als machbarer Erfolg.
P.S. Auch der Regen, der uns im Sommer überströmt hat, ist eine gute Gabe Gottes.
Ihre Ursula Tröstler
Ernte

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