Geistliches Wort

Liebe Gemeinde,
ein mit Gebet betiteltes Gedicht von Eduard Mörike geht mir in diesen Tagen, in denen wir gebannt in die Zukunft schauen: Was wird sie bringen? durch den Sinn.
Herr, schicke, was du willst, ein Liebes oder Leides; Ich bin vergnügt, dass beides aus deinen Händen quillt.
Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden mich nicht überschütten! Doch in der Mitten liegt holdes Bescheiden.
Vertont wurde dieses Gebet unter anderem von Max Bruch und Hugo Wolf, hören sie doch mal rein: (hier gesungen von Dietrich Fischer-Dieskau).
Ein scheinbar einfaches, deutlich gereimtes Bittgedicht aus dem Biedermeier, Poesie und Frömmigkeit miteinander verbindend.
Vordergründig mag man Gottergebenheit und Demut vermuten.
Mörike tat nach dem Examen in Theologie in vielen Gemeinden Dienst als Pfarrer, verließ diese aber bald wieder. Der Beruf belastete ihn. Gerne wollte er vom Schreiben leben können. Strebt er darum in seinem Gebet nach der Mitte? Rastlos lebte er. Das Bild vom trauten Heim, das wir mit der Biedermeierzeit verbinden, passt auf ihn, den Ruhelosen, mitnichten.
So spricht dieses Gedicht nicht von einer Idylle, sondern von einer großen Zerrissenheit. Ruhe finden in den Wirren des Lebens danach sehnt sich der Dichter. Und die ist wohl nur zu finden, wenn wir beides, ein Liebes und ein Leides, von Gott annehmen. Beides stammt von Gott, quillt aus seinen Händen, so können wir es vergnügt annehmen.
Erinnern wir uns an Hiob, der sehr deutlich sagt, dass wir zwar gerne die Wohltaten Gottes empfangen, aber nicht die Leiden, mit denen er uns herausfordert.
„Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, gelobt sei der Name des Herren“ (Hiob1,21)
Nicht oberflächlich, sondern in diesem Sinne sagt Jesus:
„Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern, was du willst!“ (Markus 14,36)
Natürlich dürfen wir Gott unsere Anliegen und Bitten vortragen, aber sie bleiben immer dem göttlichen Willen untergeordnet.
Mörikes Zeilen ermuntern uns, unser Leben und die Geschehnisse in der Welt klaglos als Gabe Gottes anzunehmen.
Die Spannung zwischen den Strophen bleibt, wir wollen unser Leben mit allen Höhen und Tiefen annehmen, aber wir wollen auch gerne verschont bleiben vor bitteren Erfahrungen.
„In dir ist Freude, bei allem Leide“ haben wir gesungen, als wir den neuen Kirchengemeinderat in sein Amt eingeführt haben.
Lassen sie uns mit diesem Lied auf den Lippen durch das kommende Jahr gehen.
Ihre Ursula Tröstler

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